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Tierarzt führt eine Ankaufsuntersuchung bei einem braunen Warmblut-Sportpferd durch und macht eine Biegeprobe
18. Mai 2026
6 min Lesezeit

Ankaufsuntersuchung Sportpferd: So lesen Sie den Untersuchungsbericht (und kaufen keine Röntgenaufnahme)

Von der SportHorses.at-Redaktion

Ankaufsuntersuchung Pferdekauf Sportpferde Tipps für Käufer
Sie sind unsicher, ob Sie ein Sportpferd untersuchen lassen sollen? Wir erklären, was eine klinische und röntgenologische Untersuchung bringt, was „keine Beeinträchtigungen“ wirklich bedeutet und wie Sie gemeinsam mit Ihrem Tierarzt eine kluge Kaufentscheidung treffen.

Sie haben das Pferd gefunden, das alles zu haben scheint: den richtigen Typ, einen feinen Charakter und schöne Bewegungen unter dem Sattel. Doch eine Frage nagt weiterhin – stimmt auch alles unter der Haut? Für viele Käufer ist die Ankaufsuntersuchung Sportpferd genau der Moment, in dem Vertrauen und Unsicherheit zusammentreffen. Dieser Artikel erklärt, was eine Untersuchung beinhaltet, wie Sie den Untersuchungsbericht lesen und wie Sie vermeiden, eine Röntgenaufnahme anstelle eines Pferdes zu kaufen.

Was genau ist eine Ankaufsuntersuchung?

Eine Ankaufsuntersuchung (AKU) ist eine tierärztliche Untersuchung, die vor dem Kauf von einem Pferdetierarzt durchgeführt wird. Das Ziel ist nicht, ein „perfektes“ Pferd zu garantieren – das gibt es nicht –, sondern den Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der Untersuchung zu erfassen. So wissen Sie besser, welches Risiko Sie eingehen, und können eine fundierte Entscheidung treffen.

Wichtig zu wissen: Eine Untersuchung ist immer eine Momentaufnahme. Sie sagt etwas über den Tag der Untersuchung aus, nicht über die Zukunft. Ein Tierarzt beurteilt das Pferd zudem immer in Bezug auf den vorgesehenen Verwendungszweck. Ein Freizeitpferd wird anders betrachtet als ein Pferd, das im internationalen Springsport eingesetzt werden soll.

Klinische Untersuchung versus Röntgenuntersuchung

Großteils besteht eine Ankaufsuntersuchung aus zwei Teilen, die Sie einzeln oder zusammen durchführen lassen können.

Die klinische Untersuchung

Dieser Teil konzentriert sich auf das, was der Tierarzt sehen, fühlen und hören kann:

  • allgemeine Gesundheitsuntersuchung von Herz, Lungen, Augen und Gebiss
  • Beurteilung des Bewegungsapparates im Stand und in Bewegung
  • Biegeproben, um Empfindlichkeiten in Gelenken aufzuspüren
  • manchmal eine Beurteilung unter dem Sattel

Die Röntgenuntersuchung

Dieser Teil macht sichtbar, was von außen verborgen bleibt. Der Tierarzt fertigt eine Reihe von Röntgenaufnahmen an, zum Beispiel von Hufen, Fesseln, Sprunggelenken und Knien. Wie viele Aufnahmen notwendig sind, hängt vom Pferd, dem Preisniveau und dem vorgesehenen Verwendungszweck ab.

Für ein Sportpferd im höheren Preissegment ist eine Kombination beider Teile üblich. Bei einem jüngeren oder preisgünstigeren Pferd entscheiden sich Käufer manchmal nur für eine klinische Untersuchung. Besprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, welcher Ansatz zu diesem Pferd und Ihren Plänen passt.

So lesen Sie den Untersuchungsbericht

Der Untersuchungsbericht ist keine Schulnote mit einem einfachen „bestanden“ oder „nicht bestanden“. Er ist eine professionelle Beschreibung der Befunde – und genau hier liegt oft das Problem für Käufer.

„Keine Beeinträchtigungen festgestellt“: Was bedeutet das?

Viele Berichte schließen mit einem Satz wie „es wurden keine Beeinträchtigungen für den vorgesehenen Verwendungszweck gefunden“ ab. Lesen Sie diesen Satz genau. Er bedeutet: Am Tag der Untersuchung sah der Tierarzt nichts, was den Verwendungszweck behindert. Es ist keine Garantie und keine Versicherung gegen zukünftige Probleme.

Genauso wichtig: Die Schlussfolgerung ist an den vorgesehenen Verwendungszweck gekoppelt, den Sie angegeben haben. Ändern Sie später Ihre Pläne – zum Beispiel von Freizeitreiten zu hochklassigem Turniersport –, dann ändert sich auch der Wert dieser Schlussfolgerung.

Röntgenbilder: Kaufen Sie ein Pferd oder eine Röntgenaufnahme?

In der deutschen Pferdewelt gibt es schon länger eine Diskussion: Käufer lehnen manchmal ein an sich hervorragendes Pferd aufgrund einer einzigen Abweichung auf einem Röntgenbild ab, obwohl dasselbe Pferd klinisch völlig gesund ist. Fragen Sie sich daher bei jedem Befund:

  • Verursacht dieser Befund derzeit Beschwerden?
  • Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass er in Zukunft Beschwerden verursacht, angesichts des vorgesehenen Verwendungszwecks?
  • Wie verhält sich dieses Risiko zum Preis und zu Ihren Zielen?

Ein Röntgenbild ist ein Hilfsmittel, kein endgültiges Urteil. Die eigentliche Frage ist, wie sich ein Befund auf das Pferd überträgt, das vor Ihnen steht. Lassen Sie sich die Bilder und die klinischen Befunde daher immer von Ihrem Tierarzt im Zusammenhang erklären.

Eine gute Untersuchung beantwortet nicht die Frage „Ist dieses Pferd perfekt?“, sondern „Ist dies ein vertretbares Risiko für das, was ich damit vorhabe?“

Was bestimmt die Kosten einer Ankaufsuntersuchung?

Die Kosten einer Ankaufsuntersuchung variieren stark. Anstatt nach einem festen Betrag zu suchen, ist es nützlicher zu wissen, was den Preis bestimmt:

  • ob Sie nur klinisch oder auch röntgenologisch untersuchen lassen
  • die Anzahl der angefertigten Röntgenbilder
  • ob der Tierarzt zum Stall kommt oder das Pferd in die Klinik gebracht wird
  • zusätzliche Untersuchungen, wie Ultraschall oder ein Belastungstest

Fragen Sie Ihren Tierarzt vorab nach einer Kostenschätzung basierend auf Ihrer Situation. Setzen Sie diese Kosten in Relation zum Kaufpreis: Bei einem teureren Sportpferd ist eine umfassende Untersuchung fast immer eine sinnvolle Investition. Sehen Sie sich auch unseren Leitfaden an: Was kostet ein Pferd? Der komplette Ratgeber mit allen Kosten 2026.

Eine Ankaufsuntersuchung bei einem jungen Pferd oder Fohlen

Bei sehr jungen Pferden und Fohlen sieht eine Untersuchung anders aus. Eine vollständige röntgenologische Durchleuchtung ist in diesem Alter nicht immer Standard oder sinnvoll, da das Skelett noch in voller Entwicklung ist. Eine gründliche klinische Beurteilung durch einen Pferdetierarzt ist jedoch weiterhin dringend zu empfehlen. Besprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, was in welchem Alter sinnvoll ist.

Checkliste: Vor der Ankaufsuntersuchung

Eine gute Vorbereitung macht die Untersuchung wertvoller. Gehen Sie diese Punkte durch:

  • Wählen Sie Ihren eigenen Tierarzt, nicht den des Verkäufers – Unabhängigkeit verhindert Interessenkonflikte.
  • Legen Sie den vorgesehenen Verwendungszweck vorab fest und teilen Sie dies dem Tierarzt deutlich mit.
  • Fragen Sie nach der medizinischen Vorgeschichte und nach eventuellen früheren Röntgenbildern.
  • Seien Sie bei der Untersuchung anwesend, wenn möglich, oder bitten Sie andernfalls um eine nachträgliche Erläuterung.
  • Lassen Sie sich alle Befunde erklären – auch die kleinen –, bevor Sie eine Entscheidung treffen.
  • Halten Sie Absprachen schriftlich fest, insbesondere einen Untersuchungsvorbehalt im Kaufvertrag.

Möchten Sie umfassender wissen, worauf Sie achten müssen? Lesen Sie auch unseren Anfängerleitfaden Pferdekauf und die 10 häufigsten Fehler beim Pferdekauf.

Häufig gestellte Fragen zur Ankaufsuntersuchung

Ist eine Ankaufsuntersuchung Pflicht?

Nein, eine Untersuchung ist nicht gesetzlich vorgeschrieben. Dennoch ist sie dringend zu empfehlen, gerade bei einem Sportpferd, bei dem ein ernsthafter Betrag im Spiel ist. Ohne Untersuchung kaufen Sie größtenteils auf Vertrauen.

Wer bezahlt die Untersuchung?

In der Praxis bezahlt meist der Käufer, da der Käufer auch den Tierarzt wählt. Treffen Sie hierüber vorab klare Absprachen mit dem Verkäufer.

Kann ein Pferd „durchfallen“?

Ein Tierarzt spricht selten von einem knallharten „durchgefallen“. Er beschreibt Befunde und Risiken; die endgültige Entscheidung, ob gekauft wird oder nicht, liegt bei Ihnen.

Wie lange ist eine Untersuchung gültig?

Eine Untersuchung ist eine Momentaufnahme. Verstreicht viel Zeit zwischen Untersuchung und Kauf, besprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, ob (Teil-)Untersuchungen wiederholt werden müssen.

Fazit: Untersuchen heißt Risiken abwägen, nicht Risiken ausschließen

Eine Ankaufsuntersuchung Sportpferd nimmt Unsicherheit nicht vollständig weg, macht das Risiko aber transparent. Lesen Sie den Untersuchungsbericht sorgfältig, verknüpfen Sie jeden Befund mit Ihren eigenen Plänen und lassen Sie sich das Ganze – klinisch und röntgenologisch – von Ihrem Tierarzt im Zusammenhang erklären. So kaufen Sie ein Pferd und keine Röntgenaufnahme.

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